Zur falschen Zeit am falschen Ort….

28 12 2011

war die Familie aus Brandenburg dort oben am Kap Arkona, an einem der schönsten Eckchen von Rügen.Dort bin ich auch schon gewesen, schon öfter, zum Photographieren, zum AbendLichtGenießen, zum Schiffegucken, einfach so. Es hätte also auch mich jederzeit dort erschlagen können. Hundert Jahre ist aber an dieser Stelle nichts mehr passiert und selbst wenn, dann hätte es kaum jemand mitbekommen, denn das Gebiet war während der Hitlerei und DDR militärisches Sperrgebiet. Kommt mal mit, ich zeig Euch mal genau die Stelle: Genau zwischen den HolzPfählen und der Ruine des altes PegelHauses auf ca. 200m Länge ist der Gesteinsabbruch hindurchgerauscht. 5.000 cbm aus der Höhe eines 14geschossigen Hauses und Ihr seht selbst, wie schmal der Strand da unten ist. Da hat niemand auch nur die geringste Chance zur Flucht. Es hätte also auch meinereinen treffen können, als ich diese Bilder geschossen habe. Klar, es stehen überall Schilder, die auf die Gefahr am Kliff hinweisen, aber jetzt über der Mutter der 10jährigen Katharina den Stab zu brechen, wäre meines Erachtens zu einfach. Es war bis ca. 2004 recht „ruhig“ an der pommerschen OstseeKüste. Danach häuften sich die großen Kreideabbrüche, bei denen 2004 die Wissower Klinken in die See stürzten, 2005 bei Glowe das DiakonieHeim um ein Haar zusammen mit ca 30.000cbm KreideLehmMergelMischung in die Tiefe gerissen und etwas nördlich von Saßnitz eine Touristin verschüttet wurde.

So klingelte am Dienstag früh kurz vor6 mein Telephon: Ich muß gaaaanz dringend mit unserem kleinen Satelliten- Ü- Wagen zum Kap Arkona hoch. Halb 7 war ich dann vom Hof und kurz nach 8 oben am Ort des Dramas. Von dort hat dann ein RundfunkReporter alle Berichte verfaßt und Feuerwehrler und Rettungsleute und Bürgermeister und Landrat interviewt und ich hab das Ganze via Satellit an alle RundfunkAnstalten geschickt. Zwischendurch bin ich dann mal kurz zu der Treppe gegangen, die ca. 40m runter zum Strand führt. Da zwischen den Bäumen leuchtet der orangefarbene Bagger durch, mit dem die RettungsMänner arbeiteten.Später rückte noch eine Staffel SpürHunde an, mit deren Hilfe das Mädchen aufgespürt werden sollte. Gegen Mittag entwickelte sich das Wetter da oben am Kap so übel und der WasserStand stieg erheblich an, so daß die Suche unterbrochen werden mußte, um die RettungsTeams nicht selbst zu gefährden, die schon fast 20 Stunden ununterbrochen im eiskalten Wasser mit Spaten, Schaufeln und dem KleinBagger arbeiteten. Die kleine Katharina hat aller Wahrscheinlichkeit nach diesen zweiten Weihnachtstag nicht überlebt. Aber über eine Schuldfrage zu diskutieren halte ich für fehl am Platze, auch wenn überall Warnungen ausgesprochen werden. Solche Kreideabbrüche hat es immer gegeben, wird es immer geben und sie lassen sich in etwa genauso präzise vorhersagen wie Erdbeben und Tsunamis. Die SteilKüste ist ein wunderschöner und eben auch gefährlicher Ort. Wir sollten ihn besonders nach starken Regenfällen, nachlängeren FrostPerioden und nach SturmHochwässern meiden. Die gesamten KreideKüste sperren zu wollen – das wäre übers Ziel hinausgeschossen, auch wenn jetzt solche Überlegungen laut gedacht werden. Diese Küstenformationen sind einmalig schön und jeder sollte sie sehen und bewundern können. Und: Die Wahrscheinlichkeit, daß genau in dem Moment der Fels runterkracht, wenn man da unten langgeht, ist bei stabiler Sommerwetterlage recht gering. Der vergangene Sommer war hier im PommerLand erheblich zu naß, so daß sich das KreideGestein sehr vollsaugen konnte und gerade da oben am Kap Arkona sind sehr oft handfeste Stürme unterwegs, wie auch in der Woche vor Weihnachten.

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9 responses

28 12 2011
bigi

Du weißt, was ich denke – auch laut, und auch wenn ich jetzt dafür hier virtülle Prügel kassiere. Nein, man muss keine Strandabschnitte absperren – man sollte sich aber vielleicht darüber Gedanken machen, warum Warnhinweise aufgestellt werden. Weil es ein Spaß ist? Weil man Angst machen will? Nein, weil immer sein kann, was nicht sein muss, aber eben passiert wenn ein paar Faktoren zusammenkommen. ManN weiß auch, dass manN nicht Autofahren und telefonieren gleichzeitig darf – dafür gibt es nachlesbare und bekannte Paragraphen. Du kannst tausende Kilometer fahren und telefonieren und nichts passiert. An Kilometer 1001 und wirst du freundlich herausgewunken und kassierst einen Punkt in Flensburg oder du bemerkst im Laufe des Telefonats eben nicht was genau vor und neben dir passiert und ein Unfall geschieht.
Sicher ist es reizvoll sich die Steilküsten von unten anzusehen, dort spazieren zu gehen und als Landratte, die ich ja qua Geburt auch bin, diese An- und Ausblicke in sich aufzusaugen. Sicher waren auch schon tausende Menschen in den letzten hundert Jahren dort, ohne dass sich nur ein Kieselchen aus der Wand gelöst hätte. Aber irgendwann ist es eben soweit – dann treffen Sturmböen und Regen über Stunden auf weiches KreideGestein und dann reicht, wie bei einer Schneelawine eine Flocke, ein Krümelchen Lehm, das sich nach unten rollt – und die Katastrophe ist passiert. Und vor genau diesen Augenblicken, Augenblicke, die Leben auslöschen können, warnen solche Schilder, die zu Hauf sichtbar und gut lesbar aufgestellt sind. Vorsicht Lebensgefahr. Betreten auf eigene Gefahr. Das heißt nicht mach mal, es wird schon gut gehen. Immer greift §3 des rheinischen Grundgesetzes leider nicht – et hätt noh evver joot jejange. Und das schon gar nicht, wenn Natur mit ihm Spiel ist – das Schönste, was diese Welt zu bieten hat – aber eben auch das Unberechenbarste.
Unwissenheit schützt vor Strafe nicht – und Ignoranz erst recht nicht! Natürlich sind meine Gedanken bei der Familie dieses Mädchens, aber unter dem Strich bleibt für mich der mehr als bittere Beigeschmack, es hätte so einfach verhindert werden können.

29 12 2011
Li Ssi

gerade eben habe ich erfahren, dass die Kleine eine Freundin von Emily war…Peters Tochter… der soeben zu ihr fährt, um bei Emily zu sein!
ich finde es tragisch und tut mir leid für die Familie, für Emily…

danke für deinen Bericht

29 12 2011
Träumerle Kerstin

Ein tragisches Schicksal, dass ich mit tiefem Mitgefühl in unserer Zeitung gelesen habe. So grausam und hart ist das Leben in einem Moment, da doch die Mutter mit ihren Kindern glücklich war.
Wir standen auch da oben, doch der Weg nach unten war uns mit Johnny an der Leine zu mühsam.
Ich hoffe, die Kleine kann noch gefunden werden. Nichts ist schlimmer als die Ungewissheit, wo es sie nun hin gerissen hat.
Liebe Grüße von Kerstin.

29 12 2011
Wolfgang aus Greifswald

Ihr Lieben, die Suche wird auch heute nacht fortgesetzt, THW und Feuerwehr graben sich durch den hüfttiefen KreideSchlamm unter dem sie das Mädchen vermuten. Eine ÜberlebensChance hat die Kleine nicht mehr. Möglicherweise ist sie durch die Wucht des Gesteinsabbruchs auf die See hinaus getrieben worden. Morgen habe ich dann die Aufgabe, das in der Nacht entstehende BildMaterial zu verarbeiten. Es steht auch ein Ü-Wagen fürs Fernsehen und ein SatellitenWagen für den Rundfunk da oben am Kap.

30 12 2011
Träumerle Kerstin

Habe heut im Radio gehört, dass sie noch nicht gefunden wurde und werde weiter auf Neuigkeiten lauern. Hach, ist das schlimm.
Dennoch wünsche ich Dir und Deinen lieben einen guten Start in das neue Jahr. Möge es nur gute Überraschungen für euch bereit halten und vor allem Gesundheit.
Liebe Grüße von Kerstin.

30 12 2011
Gwen

Die Geschichte erinnert mich an das, was hier in Wales vor kurzem auch passiert ist. Tja…was soll man dazu sagen. Alle kommentatoren haben schon alles gesagt. Ich wünsche dir noch ein gesundes neues Jahr.

31 12 2011
Wolfgang aus Greifswald

…aber schön, daß ich mal wieder was von Dir höre/lese. Seit gefühlten Jahrhunderten geht der Link zu Dir (rechte sidebar) ins Leere und ich kann ihn wieder aktualisieren und komme bestümmt öfter mal längsseits auf der Insel Deiner Träume. Ganz liebe Grüße von Greifswald nach Cardiff vom ollen Wolfgang+Kater Kilkenny.

1 01 2012
Auf ein neues… « NordOstUniversum

[…] der kleinen Katharina, die am Kap Arkona einfach nur die wunderschöne SteilKüste sehen wollte, an einer Stelle, an der ich auch schon am Strand gesessen und dort photographiert habe. Mit meiner […]

2 01 2012
chinomso

Das ist sehr sehr traurig. Meine Gedanken sind mit dieser Familie.
Sicher machen sie sich unendlich viele Vorwürfe, dass sie diese Schilder mißachtet haben. Wir können nur draus lernen.

Ich wünsche dir und bigi nebst Katzengeschwader ein gutes neues Jahr 2012. Gesundheit steht auf Platz 1. Immer.

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