Ein Besuch in Berlin,

4 06 2015

… der uns, meine LeuchtturmWärterin und mich zu Janna und SanTropez führte, und mit ihnen an einen Ort, der so voller PhotoMotive steckt, daß wir schon beschlossen haben, dort noch mindestens einmal hinzufahren, um diesen Ort zu anderen Jahreszeiten, bei anderem Wetter und Licht zu erkunden.

JüdFrH1Dieser größte europäische Jüdische Friedhof hat die unselige Hitlerei weitgehend unbeschadet überstanden, wohl auch deshalb, weil in den späten Dreißiger Jahren geplant war, dort eine breite Straße zu bauen, die dann den kompletten Friedhof vernichtet hätte. Dazu kam es aber dann nicht mehr, da D-Land Ende der Dreißiger Jahre andere Projekte verfolgte. Das Ende dieser Projekte ist bekannt. Und so gibt es ihn heute noch in (fast) unveränderter Form. In den Jahren der DDR lag er in einem Dornröschenschlaf, so wie es bei Jüdischen Friedhöfen ja auch gedacht ist. Nun sind dann doch viele Wege und Grabanlagen wieder freigeschnitten, Sichtachsen wiederhergestellt worden. Auch werden seit den Neuniger Jahren wieder vermehrt Bestattungen durchgeführt, da viele Juden aus Osteuropa mitlerweile wieder in Berlin leben – und natürlich auch sterben. JüdFrH2Die hier umgestürzeten Steine sind übrigens nicht von den braunen Horden Adolfs des GröFaZ umgeschmissen worden, sondern ganz allein irgendwann vom Sockel gekippt, da eine jüdische Grabstätte einmal angelegt und dann mehr oder weniger der Natur und der Zeit übergeben wird.JüdFrH3JüdFrH4Beginn und Ende des Rundgangs ist hier am Hauptportal der  Anlage, dessen Steine nochmal eindringlich erinnern an die dunkle Zeit in Deutschland, die an unsre Wachsamkeit gemahnen, die Wiederholung der Geschehnisse im Deutschland für alle Zeit zu verhindern. JüdFrH6

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Der eigentliche Tag der deutschen Einheit…

9 11 2014

…. ist heute. Mit der Pressekonferenz von Günther Schabowski überschlugen sich die Ereignisse an den Berliner Grenzübergangsstellen und an den Grenzübergängen zur Bundesrepublik. Tausende zweitaktende Autos überrollten die grenznahen Städte von Lübeck bis Hof und die ersten Mauerspechte klopften erste Betonstücke aus der Berliner Mauer. Nun ist die Mauer weg. Kaum noch zu erahnen ist der ehemalige Grenzverlauf – weder in Berlin noch längs durch Deutschland. Und es ist gut so. JPEG Image (414874162)Nicht Gorbatschow, nicht Kohl – nein die Bürgerinnen und Bürger dieses kleinen Landes, das sich demokratisch nannte, aber von einem Führer und seiner alleinseligmachenden Partei regiert, oder besser nach und nach in die Scheiße gefahren wurde, haben genau diese Diktatur samt ihrer Büttel entmachtet. Die kleinen kommunistischen Ortsgruppenführer, Regionalfürsten und Betonköppe hatten plötzlich die Macht über ihre Untertanen verloren. Das ist nun mittlerweile 25 Jahre her. Und mittlerweile sollte es doch völlig wumpe sein, wo jemand herkommt. Ost oder West, Nord oder Süd – völlig banane. Es gibt in allen Teilen der um ca. 70Millionen Leut größergewordenen Republik ganz liebe Menschen, wie es auch in allen Teilen des Landes leider auch reichlich Arschlochmenschen gibt. Und mein erster Besuch in West-Berlin war fünf Tage nach dem Mauerfall. Am Nachmittag des 14. November 1989 war ich mit drei Kollegen des Rundfunktechnikerkurses Berlin Grünau über die provisorische Übergangsstelle in der Eberswalder Straße im „Westen“, bin mit denen sofort zum Funkhaus in die Masurenallee – mal ein „richtiges“ Funkhaus gucken. Danach bin ich bestimmt so zwei Stunden mit dem Stadtbus auf dem oberen Deck ganz allein vorne durch das mittlerweile nächtliche Berlin gefahren, um das alles auf mich wirken zu lassen, was ich alles noch nicht recht gleuben konnte. JPEG Image (414908786)Als Kind hab ich  mir schon gewünscht, irgendwannmal Ebbe und Flut zu erleben. Und ich hab es nicht verstehen wollen, warum ich das einfach nicht darf.  Und so war auch eines der ersten Ziele im „Westen“ Büsum.   Gewohnt haben wir im Hause des alten Hafenkapitäns von Büsum in Büsumer Deichhausen. Und ich werde es nie vergessen, das erste Mal barfuß durch den Schlick zu trabsen und beobachten, wie das Wasser wiederkommt. Damals hatte ich noch nishts zu Photographieren dabei. Und selbst wenn, wären die Bilder nicht mehr bei mir. Das ist aber ne andere Geschichte. Die Möglichkeit, die Schönheiten dieses großen. wunderbaren Landes sehen zu können macht mich sehr dankbar. Von den nordfriesischen Inseln bis in die Bayerischen Alpen , von Berlin bis Bonn – alles ist möglich und dafür bin ich zutiefst dankbar. So wächst – langsamer als gedacht – so nach und nach dieses Land wieder zusammen. Dieser Prozeß ist lange noch nicht beendet. Aber letztendlich wird es regionale Unterschiede immer geben. Bayern gegen Preußen, Mecklenburg gegen Pommern, Kölner gegen Düsseldorfer , die Frotzeleien gehören einfach dazu. Sowas geht auch zwischen Bonn und Beuel. Aber mittlerweile ziehen munter die Leute von Ost nach West, von Süd nach Nord und auch von Südwest nach Nordost. So ist ja auch meine Leuchtturmwärterin aus Beuel hier zu mir nach Greifswald gezogen, wo viele aus ihrem alten Umfeld in Bonn kaum wußten, wo das liegt. Was aber auch nicht schlimm ist, denn genauso viele Leute hier wissen auch nicht, wo Beuel liegt. (Bonn kriegen die meisten noch hin) Ja wie auch immer – Sowas wäre eben 25Jahren noch nicht möglich. Und einfach so den Wohnort zu wechseln , das ging in der Deutschen Diktatorischen Republik nicht. Das mußte von Dienstherren und Polizei genehmigt werden. Einfach an einem anderen Ort eine Wohnung suchen, anmieten und dort sein Leben zu führen – das wollte der Staat nicht. Das haben viele Ostalgiker schon sehr schnell vergessen.  Auch wenn viele Dinge in der Bundesrepublik laufen, die ich so gar nicht gutheißen kann, bin ich doch sehr froh, daß in meiner Lebenszeit die Teilung des Landes überwunden worden ist.





Wo der Pfeffer wächst…

2 02 2014

… waren meine LeuchtturmWärterin und ich gestern. Nein nicht in Honolulu oder im australischen Dschungel, auch nicht bei den Efilanten in Afrika. Pfeffer wächst auch in der Nähe von Berlin, in der „Biosphäre Potsdam“ , einer grooooßen Halle, in der ein tropischer Regenwald dargestellt wird, mit vielen, auch recht großen tropischen Pflanzen, mit flauschigen 25°C und hoher Luftfeuchte, Schmetterlingen und – ja guckt selbst: BioPfefferDie „Biosphäre“ zeigt die geniale Tarnung von Tieren in der Vegetation. Wandelnde Blätter und Wandelnde Äste – sie sind wirklich nur zu erkennen, wenn man direkt mit der Nase an die Vitrinenscheibe stubst. Apropos Tarnung: Diese Herrschaften unten im Bild sind erst drei Monate und ungefähr 10cm lang und sie haben den Trick schon raus, die Farbe ihres Untergrundes anzunehmen. Auch die Echsen sind fast weg, wenn sie sich nicht bewegen, sehen aus wie Holz oder grüne Blätter. ChamälechsenDie Reise geht weiter in die Tiefsee mit einem U-Boot, das aus der Zeit von Jules Verne zu kommen scheint. Von dort sind die Jagdmethoden der Seevögel und der Haie und Robben unter Wasser zu beobachten und man kann einen Blick in die Lebenswelt amphibischer Fische und urzeitlicher Krebse wagen. UnterwasserUnd zurück aus der Tiefsee gibts noch wunderschöne Schmetterlinge zu sehen, ihre Entwicklung über Raupen und Puppen bis zum fertigen Insekt, das vielleicht ein Fressen für die Wetterpropheten wird, die sich im oberen Teil der Halle aufhalten, da, wo’s auch Kaffee gibt.schmetterlingeWetterFröscheUnd fünf Stunden vergehen in dieser kleinen Tropenwelt vor den Toren Berlins wie gefühlte zwei Stunden.





27.Januar – Gedenktag

28 01 2014

für alle in der Nazidiktatur Umgekommenen. Das waren Juden, Andersdenkende, nationale Minderheiten in Deutschland, Antifaschisten, Kirchenleute, Angehörige aller europäischen Nationen, Homosexuelle. 2701Eine Gedenkveranstaltung im Pommerschen Landesmuseum am Abend hatte das Los der Homosexuellen während der Hitlerei zum Thema.  Ein Vortrag von Andreas Pretzel über die Entwicklung der Rechtsprechung gegen Homosexuelle vor der Weimarer Republik, vor dem Hitlerreich, wo beinahe der §175 StGB abgeschafft worden wäre. Das NS-Regime verschärfte die Gesetze gegen Schwule und grenzte diese aus, vernichtete ihre Existenzgrundlage, nahm ihnen ihre Dienstränge, akademische Titel und berufliche Perspektiven. Er sprach über einen Professor der Greifswalder Uni, der in der Zeit vor 1933 zu Ansehen und Wohlstand kam, Mitte der Dreißiger Jahre immer mehr drangsaliert und aufgrund des Paragraphen 175 verurteilt wurde und auch nach Ende des Nazireiches lange vergeblich um seine Rehabilitation kämpfte.  Ein zweites Thema des Abends war ein Referat von Prof. Dr. Stefanie Endlich über die Denkmallandschaft in Berlin im Zusammenhang mit der Erinnerung an die Opfer der Nazidiktatur. Es ging neben dem Stelenfeld für die ermordeten Juden auch um die Gedenkstätte für die Sinti und Roma, die die Hitlerei nicht überlebten und um die in Sichtweite zum Stelenfeld stehende einzelne Betonstele als Gedenkort für die Homosexuellen, die dem Nazitum zum Opfer fielen.





SpreeparkRuinen – die Zweite

6 08 2013

Der jahrzehntelange Zerfall ehemals sehr guter Technik bringt uns schaurigschöne Photomotive en masse, wie hier die riesige Wildwasserbahn, die sich über mehrere Hektar erstreckt und mal eine der Hauptattraktionen des Spreeparks war. wildwasserbahnwildwasserbahn2Das Dilemma der Betreiber hatte natürlich auch Ursachen. Die Stadt Berlin veräußerte kurz nach der Wende das Areal mit der Maßgabe, einen „Vergnügungspark nach westlichem Vorbild“ dort errichten zu lassen. Der bräuchte mindestens 1,8Millionen Besucher pro Jahr. Über 2Millionen wären natürlich besser. Dann fiel der Stadt ein, das Gelände als Natur- und Landschaftsschutzgebiet zu deklarieren, was eine Besucherzahlbegrenzung auf 300.000 pro Jahr nach sich zog. Damit waren alle Chancen, diesen Park gewinnbringend zu betreiben dahin und so kam es wie es kommen mußte. Und deshalb sieht es dort auch so aus. Mittlerweile sind auf dem Gelände sämtliche Kabel gestohlen worden und eine Wiederinbetriebnahme ist nur noch mit erheblichem Aufwand – wenn überhaupt – möglich. AchterbahnHier ist die langsam überwucherte Achterbahn zu sehen. In der Station stehen sogar noch einige Wagen, die Station selbst ist aber mittlerweile baufällig. SchienenautosDer SchienenautoParcours rottet genau so vor sich hin wie die Bahnstationen der Parkbahn, die allerdings immer noch fährt.schwanenboote Merkwürdigerweise stehen immer noch Investoren in den Startlöchern, die dieses Dornröschenreich wiederbeleben wollen. Nur die Stadt Berlin steht allem recht mißtraisch im Weg und so werden wir bestimmt noch Gelegenheit haben, in zwei – drei Jahren zu schauen, wieweit die morbiden Reste weiter zerfallen sind.





28 Hektar Berlin –

5 08 2013

fast vergessen – sollte man meinen aber der alte SpreePark erfreut sich, wie wir gestern sahen, eines gewaltigen Interesses. Wir – das sind ein par kurzfristig von Frau Tonari zusammengetrommelte BlogosphärenbewohnerInnen. Meine LeuchtturmWärterin Bigi, Britta, Kathrin, Marion, Clara, Rosi,Mohrle – auf mehr Namen komm ich nu nicht mehr+Kathrins TauchBilder finde ich so auf die Schnelle grad nich – wir alle stiefelten bei schwüler Sommerhitze durch die ruinösen Reste des „Vergnügungsparks nach westlichem Vorbild“ Ein sehr redegewandter Park- Guide (Führer mag ich nicht sagen) erzählte uns in allen Einzelheiten die Geschichte und Geschichten von Inverstoren, Schaustellern, der schildbürgerlichen Stadtverwaltung und den kleinerwerdenden Resten der Baulichkeiten auf dem Gelände. spreeparkSehr aufschlußreich sind diese gelben Wegweiser. Sie passen wohl auch für die Situation der Berliner Regierung, ja wohl auch der Herrschaften im Reichstag. Aber zuryck zum Park: Allgegenwärtiges Wahrzeichen ist das Riesenrad auf dem Gelände, das, wie es aussieht, wieder funktionieren könnte, wenn es einige Pflege und Instalthaltungsmaßnahmen erhielte. riesenrad3riesenrad2Mehr von dem Ausflug dann wohl heute N8, jetzt muß ich erstmal zum Dienst.





Zapfen-Streich…

8 03 2012

steht für das Ende des Bierausschanks in der Gastwirtschaft, auf daß die Herren Landwehrmänner sich zur Nachtruhe zurück in ihre Kaserne begeben. Es heißt, daß ein Kreidestrich über den Zapfhahn gezogen wurde, um kontrollieren zu können, daß nicht weitergesoffen wurde. Viel später ist aus dieser aus dem Militär stammenden Tradition ein Ritual, ein Brauch geworden. In großen Garnisonsstandorten marschierte das Musikkorps durch die Straßen und gemahnte die in den Wirtschaften trinkenden Landsknechte, den Rückweg in die Dienststelle anzutreten. Auch in den jetzigen Kasernen wird der Beginn der Nachtruhe „Zapfenstreich“ genannt und zum Teil mit einem Trommel- oder TrompetenSignal kundgetan.   Nach dem Zapfenstreich darf keiner mehr die Kaserne verlassen. Bei der Marine heißt das „Ruhe im Schiff“*grins*  Der „Große Zapfenstreich“ als Zeremonie zur Verabschiedung großer Persönlichkeiten hat seinen Ursprung in einer großen militärischen Ehrung des russischen Zaren Nikolaus I. im jahre 1838. Auf diese Tradition beriefen sich nach dem Zweiten Weltkriege die beiden größten Schützenvereine Deutschlands, die Bundeswehr und die Nationale VolksArmee. Und nun, nachdem schon zwei vieldiskutierte Große Zapfenstreiche, für Köhler und zuGuttenberg veranstaltet worden sind, steht mit dem heutigen Großen Zapfenstreich für den von der Staatsanwaltschaft beäugten ExPräsi Wulff die Frage im Raum, inwieweit dieses Höchste EhrenRitual der Bundesrepublik entweiht wird oder schon entweiht wurde. Und alle CDU- SpießGesellen, allen voran die BundesMutti stellen sich artig mit auf, wenn dem feinen Herrn das letzte Mal in aller Öffentlichkeit richtig der Marsch geblasen wird. Ich hoffe, daß am Ort des Geschehens heute abend nicht nur das Tschingdarassabumm der StiefelMusikanten zu hören sein wird, sondern auch hunderte von Vuvuzelas im näheren Umfeld. Neun von zehn Bürgern Deutschlands sagen in einer SPIEGEL-Umfrage, daß Wulff eine solche Zeremonie nicht verdient. Aber wie auch immer – heute kurz nach 20:00 ist „Ruhe im Schiff“ und nächste Woche wird eine andere Sau durchs Dorf getrieben. Die BLÖD-Männer werden noch ein paar Tage auf der NeidWelle surfen, „Ehren“-Sold, Büro und Dienstauto nebst Chauffeur bekritteln – aber es wird niemanden mehr interessieren. „Jedes Ding hat seine Halbwertzeit – immer nur soweit bis kein Hahn mehr danach schreit“ hieß es mal in den 80ern in einem LiedText. Und ab morgen schreit nach der Personalie Wulff kein Hahn mehr – und das ist gut so.