Gerade heute ist es wichtig,

9 11 2012

wieder an die Ereignisse von vor 74 Jahren zu erinnern. Gerade heute, wo wieder deutsche Nazis gegen den Willen ders Großteils der Bevölkerung aufmarschieren, um Menschen einzuschüchtern, die aufgrund schwerer Not, Verfolgung und Bedrängnis vorerst in Deutschland Zuflucht gefunden haben.  Ich will kurz erzählen von einer Familie aus Afghanistan, die in der Nähe von Kabul lebte. Der Vater Wissenschaftler, die Mutter Lehrerin, sechs Kinder, der Älteste 24, die Jüngste 8, geregeltes Einkommen und ein Umfeld, in dem sich alle wohlfühlten. Mit dem TalibanTerror änderte sich das allerdings schlagartig. Anfeindungen standen von nun an auf der Tagesordnung. Die Mädchen der Familie auf eine Schule zu schicken, wurde zunehmend schwieriger und die Maßregelungen und Bedrohungen durch die neuen Machthaber gipfelten in dem Verlangen, die 17jährige Tochter mit einem örtlichen Talibanführer zu verheiraten. Das war das Signal zur Flucht. Zurecht wie ich finde. Und ich bin überzeugt, daß in 98% aller Fälle die Asylbewerber in ihren Heimatländern in eine ähnlich schwere Bredouille geraten sind und wir in Deutschland aufgerufen sind, diesen Menschen menschlich gegenüberzutreten. Diese afghanische Familie hat ihr Land unter bitteren Tränen verlassen, sie hat Familienmitglieder und Freunde zurücklassen müssen, die ihnen hier fehlen und die ihnen hier keiner ersetzen kann. Sie haben ihr vertrautes Umfeld verlassen müssen, weil sie dort an Leib und Leben bedroht sind. Die Kinder gehen hier bereits wieder an eine Schule, lernen die deutsche Sprache, nehmen sogar am Englischunterricht teil. Auch die Eltern besuchen den CrashKurs für die notwendigsten Kenntnisse hierzulande. Sie sind jetzt in Deutschland, sie werden eine ganze Weile in Deutschland bleiben.

Ich denke, wir haben in Deutschland, in Europa einfach die Pflicht, in Not geratenen Menschen zu helfen. Wir haben aber auch das Recht in Deutschland, die 2% von den zu uns Kommenden wieder auszuweisen,die sich unanständig benehmen, kriminelle Strukturen errichten, regionale Kleinkriege aus ihrer Heimat nach Deutschland tragen. Das ist auch die Pflicht Deutschlands, solchen Leuten die Tür zu weisen, was weder mit Fremdenfeindlichkeit noch mit Nazitum zu tun hat. Es ist eine Frage des Selbstschutzes, wozu jedes Land in der Welt im Interesse seiner eigenen Bürger berechtigt, ja verpflichtet ist. Solange Deutschland dieser, seiner Pflicht nicht oder nur sehr unzureichend nachkommt, fühlen sich seine Bürger alleingelassen mit den Problemen, die dadurch entstehen, was wiederum ein gefundenes Fressen für NeoNazis ist. Ich denke, wenn die Menschen, die in der Nähe von Asylbewerberunterkünften wohnen sehen, daß bei Straftaten durch Asylbewerber auch schnell reagiert wird, haben die Nazis keine Argumentationsgrundlage und verlieren an Einfluß – gerade in Vorpommern, das auch schon damals in den 30er Jahren die aktivsten Nazis hatte, die in vorauseilendem Gehorsam Juden malträtierten. Auch hier brannten in der Nacht zum 10. November die Synagogen, wurden Betsäle verwüstet, Menschen auf die Straßen getrieben, getreten, geschlagen, vergewaltigt, verschleppt und ermordet. Die Schreckensherrschaft brach sich bahn, raumgreifend und allgegenwärtig. Deutschland im Gleichschritt, schwere Stiefel zertrampelten Moral und Anstand, wer konnte, floh – und fand vielleicht Zuflucht. Und wie dankbar werden diese Menschen gewesen sein, die – irgendwo in der Welt – anständige Menschen fanden, die ihnen Brot und Obdach gaben…In Deutschland gibt es nun kaum noch Juden, aber anscheinend immer mehr Nazis. Ein rechtserblindeter Verfassungs- und Staatsschutz ist unfähig oder unwillig(oder beides), die braunen Bratzen beim Arsche zu packen, die in der vergangenen Nacht in unserer schönsten Hansestadt am Ryck alle Stolpersteine aus dem Trottoir gerissen haben. In den lokalen Nachrichten der hiesigen Zeitung ist angesichts des symbolträchtigen Datums von „einem nicht auszuschließenden politischen Hintergrund“ die Rede*würg* Wie deutlich müssen die Nazis denn noch werden, bis die Staatsmacht begreift, daß es sich sehr wohl um einen „politischen Hintergrund“ handelt. Wann werden wohl wieder Menschen aus Deutschland fliehen müssen? Und werden sie Aufnahme finden – irgendwo in der Welt? So denke ich an Deutschland in dieser Nacht und werde an einigen der fehlenden Stolpersteine ein Licht aufstellen.

Nachtrag: 17:00

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eine der dunkelsten Nächte in Deutschland

10 11 2010

an einem geschichtsträchtigen Datum in Deutschland. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938  hörte die Greifswalder Jüdische Gemeinde auf zu existieren. In Greifswald haben wir heute der jüdischen BürgerInnen gedacht, die von den in Pommern sehr aktiven Nazis aus der Stadt geekelt wurden, die gedemütigt, verhöhnt, enteignet und schließlich in Belzec, Auschwitz oder Terezín ermordet wurden. Auch in unserer Stadt liegen StolperSteine vor den Häusern, in denen diese Menschen gewohnt und gearbeitet haben.

An der Stelle, an der bis 1938 der Betsaal der Jüdischen Gemeinde zu Greifswald war, brennen heute nacht Lichter, zur Mahnung ,  das Geschehene immer in erinnerung zu behalten, auf daß eine Wiederholung dessen unmöglich bleibe. Der amerikanische Philosoph George Santayana warnt: „Wer sich seiner Vergangenheit nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen“ Die Ausrufung der Ersten Deutschen Republik 1918 und der Mauerfall 1989, an dem die DDR zu existieren aufhörte sind zweifelsfrei wichtige Ereignisse in der Geschichte Deutschlands, aber die sogenannte Reichskristallnacht von 1938 ist für immer das Ereignis, das mit dem 9. November verbunden ist. Und diese Lichter leuchten in dieser Nacht als Ehrung für die Opfer der Shoah – hier in Greifswald, hier in Pommern, hier in Deutschland. Der Wind blies sie heute  mittag aus und ich habe sie heute nacht wieder angezündet und auch einen Stein niedergelegt.