70 Jahre ist es nun her…

28 01 2015

… als die Rote Armee das Lager Auschwitz erreichte. Befreit, wie es lange hieß, hat sie es nicht. Das Lager war am 27. Januar 1945 bereits evakuiert worden. Evakuiert hieß, daß die SS-Schergen die Häftlinge auf den Todesmarsch nach Westen schickten, der sie erstmal nach Ravensbrück, später weiter nach Bergen-Belsen führte. Im Lager Auschwitz waren noch die, die nicht mehr marschfähig waren. Menschliche Wracks, lebende Skelette, gezeichnet von jahrelanger Pein. Aber sie haben überlebt, wo gestorben wurde. Die Nazis haben über eine Million Menschen allein in Auschwitz ermordet, größtenteils Juden aus ganz Europa. 70Jahre nach dem Ende des Mordens in Auschwitz gibt es nur noch sehr wenige Zeitzeugen – auf Seiten der Opfer wie auch der Täter. Den einen oder anderen der Schergen von Auschwitz gibt es wohl noch. Einige hat die Gerichtsbarkeit in Deutschland kurz vor dem natürlichen Ende ihres Lebens noch gefaßt – richtig bestrafen konnte sie sie nicht mehr. Die müssen sich letztendlich vor einer Höheren Instanz verantworten, der sie sich nicht mehr entziehen können. KZ Auschwitz, Einfahrt holocaustgedenktag

Unermeßliche Schuld, unermeßliches Leid, unermeßlicher Schmerz. Das sind Wunden, die nicht heilen, auch nach 70 Jahren nicht. Und nur so kann das Erinnern an dieses himmelschreiende Geschehen präsent bleiben – als stete Mahnung, so etwas in aller Zukunft zu verhindern. Vielleicht haben an diesem 27.Januar das letzte Mal Zeitzeugen von Auschwitz in Auschwitz ihre Stimme gegen das Vergessen erhoben. Und auch in meiner schönsten Hansestadt am Ryck wird daran gedacht. Holocaustgedenken

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2 responses

28 01 2015
juwi

Hallo Wolfgang,

gestern Abend gab es im ZDF eine Dokumentation über die Schicksale einiger Menschen, die von den Nazis in die Hölle von Auschwitz deportiert wurden: „Mit dem Mut der Verzweiflung“. Die Geschichte dieser einzelnen Menschen sagt mehr über das unvorstellbare Grauen aus, als eine Zahl mit sechs Nullen. Und sie räumt mit dem Vorurteil auf, dass die Menschen in den Konzentrationslagern sich willenlos hinschlachten ließen.

Hugo Egon Balder führte durch die Sendung. Auch seine Mutter war ein Opfer der Nazis. Hätte sie nicht überlebt, hätte es ihn nie gegeben. Bekannt seien die Namen und Biografien der Täter, sagte Herr Balder. Dabei gäbe es die Geschichten vieler Millionen Menschen, die es Wert wären, erzählt zu werden. Recht hat er!

Wer aber kann die Geschichten der Menschen – unter ihnen vielleicht Dichter, Ärzte, Musiker oder Wissenschaftler, die vielleicht Ebola oder den Krebs besiegt hätten – erzählen, die unser Leben bereichert hätten, die aber nie geboren wurden, weil ihre Eltern in den Todesfabriken der Nazis hingemetzelt wurden?

Unfassbar sei es, sagte Herr Balder, dass Familienväter, die ihre Frauen liebten und Abends friedlich mit ihren Kindern spielten, am nächsten Morgen zur „Arbeit“ gingen, um die nächsten 2000 oder 3000 Menschen zu vergasen. Während der Nürnberger Prozesse wurden den Hintermännern der Prozess gemacht. Viele der Mörder, die Tag für Tag tausendfach mordeten, seien unbehelligt geblieben.

Befreit habe die Rote Armee das Lager nicht, schreibst du. Wenn man es so sieht, dann trifft wohl auch auf die Armeen der anderen Aliierten zu. In der Dokumentation wurde noch einmal deutlich, dass die Regierungen der alliierten Staaten frühzeitig über das Grauen in den Lagern informiert waren – auch weil es Menschen gab, die sich bewusst in Gefahr begeben haben, um Informationen über die Vorgänge in den Todeslagern „nach draußen“ liefern zu können.

Genützt hat es den Opfern des Nazis nicht. Der fabrikmäßige Massenmord ging noch über eine viel zu lange Zeit hinweg reibungslos weiter. – Aber trotzdem: Hätten die Alliierten den Verbrechen der Nazis letztlich keinen Riegel vorgeschoben, dann wären auch die noch umgebracht worden, die im Frühjahr 1945 aus den Lagern „befreit“ wurden. Und auch danach hätte das auf größtmögliche Effizenz ausgelegte Todessystem noch unzählige Opfer gefordert.

Unsere Eltern und Großeltern sind oft gefragt worden, warum sie nichts gegen die Verbrechen der Nazis unternommen haben. Ich habe mich oft gefragt, was ich getan hätte – eine Frage, die auch Herr Balder in der Dokumentation in den Raum stellte. Die Wahrheit ist: Keiner von uns kann diese Frage beantworten. Aber wir können versuchen zu verhindern, dass die Geschichte sich wiederholt. Die Erinnerung aufrechtzuerhalten, und an kommende Generationen weiterzugeben, ist einer der möglichen Wege zu Ziel.

Gruß von der Nordsee- an die Ostseeküste,
juwi

30 01 2015
Clara Himmelhoch

Danke für den Kommentar vor mir – ich werde versuchen, ob ich das in der Mediathek ansehen kann.
Wolfgang, wie können diese Wunden heilen, wenn heutzutage schon wieder viele Leute neue Wunden reißen, die genau mit diesem Thema zu tun haben. Ich glaube, die Menschheit wird nicht klug.
Liebe Grüße zu dir!

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