Ein großer Schutthaufen ist

28 09 2013

noch übrig von dem 1902 errichteten Getreidespeicher am Greifswalder Museumshafen. Der Speicher wurde noch bis 1992 als Getreidelager betrieben. Kurz nach Außerdienststellung bin ich noch in dem Speicher herumgestiegen, um die wunderschöne Holzkonstruktion zu photographieren. Das war 1994 und das Ständerwerk machte noch einen sehr stabilen Eindruck, wohingegen am Dach des Gebäudes schon ein unübersehbarer Reparaturbedarf bestand. Auf jeden Fall wäre ein Umbau zu Wohnzwecken noch möglich, ähnlich dem Nachbargebäude, einem ähnlichen Speicher, in dessen Räumen die alten Holzbalken noch weitgehend zu sehen sind. Direkt unterm Dach ist das Ständerwerk recht filigran, wird weiter unten immer wuchtiger und massiver. Auf jeder Etage sind die Füllhöhen für die verschiedenen Feldfrüchte an die Wand geschrieben, wie hier Roggen und Gerste, Weizen, oder für Mais oder Erbsen. 1100Kilogramm Traglast je Quadratmeter bzw. 750 Tonnen Gesamtbelastung konnte diese Etage verkraften. speicher intaktDoch die Zeit lief dem alten Bau davon, die Substanz verrottete von Jahr zu Jahr mehr, das Gebäude wechselte mehrere Male den Besitzer. Jeder hoffte wohl auf eine schnelle Abrißgenehmigung. Das Zeitfenster, in dem ein Aus- und Umbau des Speichers mit vertretbarem Aufwand möglich war, schloß sich langsam. Im letzten Jahr endlich stürzte ein großer Teil des Daches auf der Südseite des Speichers ein. Dann im Spätsommer eine Gaube auf der Nordseite. Die Statik des Hauses wurde instabil und somit war das eigentliche Ziel des Eigners endlich erreicht: Sofortiger Abriß der Ruine, denn sie gefährdete jetzt wirklich Passanten. Dann ging es atemberaubend schnell. In nichteinmal einer Woche standen Bagger bereit, die innerhalb zweier Tage den ehrwürdigen alten Speicher dem Erdboden gleich machten. SchutthaufenVermutlich geht es jetzt auch ganz schnell und noch vor Weihnachten steht ein Rohbau in annähernd dem Ausmaß des Speichers an der Stelle, um in Zukunft ein paar Arztpraxen, Anwaltsbüros und teure Eigentumswohnungen zu beherbergen.

Es riecht sehr nach einem von langer Hand geplanten Spiel. Der Zahn der Zeit hat allerdings über zwanzig jahre benötigt, um diesem Stück Greifswalder Geschichte das Rückgrat zu brechen. Der Große Speicher, ein Zweckbau von 1937 ist aller Wahrscheinlichkeit wirklich nicht zu retten, da dessen Betoneinbauten überhaupt nicht umzubauen sind. Auch er wird wohl in absehbarer Zeit fallen und die Stadt eine beeindruckende Landmarke verlieren. DSC04562

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4 responses

29 09 2013
Träumerle Kerstin

Ein Stück Geschichte ist somit verschwunden. Aber Du hast wenigstens ein paar Aufnahmen für die Zukunft gerettet.

29 09 2013
bigi

Ich kann gar nicht so laut werden, wie ich möchte – es ist eine Schande, eine riesiggroße Schande und die große Betroffenheitsnummer, welche die Stadt Greifswald gerade zu dem Thema abzieht macht so unglaublich wütend, dass mir vor mir selbst angst und bange wird.

6 10 2013
elfi

Es ist immer schade, dass man so alte Relikte einfach verfallen lässt. Zumindest hätte man es als Museum für die Nachwelt erhalten können, damit sich unsere Enkel auch noch im Original mit der Geschichte vertraut machen können.
Unbezahlbare Wohnungen gibt es ja zur Genüge.
Schön, dass du noch Fotos davon machen konntest..
LG Elfi

7 10 2013
Wolfgang aus Greifswald

Das ist genau der Punkt: wie in so vielen Städten gibt es alte Seilschaften, früher SED und direkt angeschlossene Organisationen, die sich beizeiten den attraktiven Kuchen untereinander aufgeteilt haben, jetzt heißt das dann CDU und kungelt mit potenten Geldgebern und dealt in rauchigen Hinterzimmern solche Geschichten aus. Denkmalschutz hin Denkmalschutz her, wenn so eine Lage direkt am Wasser mit so einem denkmalgeschützten Gebäude versperrt wird, muß es doch Mittel und Wege geben, dieses Gelände einem gut zahlenden Interessenten zur Verfügung zu stellen. Und genau das ist hier wie an vielen anderen Orten der Stadt passiert. So bleibt nur die Erinnerung. GLGr. zuryck zu Dir nach Berlin vom Wolfgang aus dem Pommerschen PlattLand.

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