Blinde Technikgläubigkeit

15 04 2012

…. und menschliche AllmachtsPhantasien sind allgegenwärtig und kennen keine Grenzen. Vor genau 100 Jahren ist diese allzu menschliche Eigenschaft wohl das erste Mal in der Geschichte auch medienwirksam abgestraft worden. Die Geschichte mit der Titanic ist allenthalben bekannt und sie ist wohl die Mutter aller großen Katastrophen der Schiffahrt. Der Mensch kann eben alles, kann unsinkbare Schiffe bauen, kann trotz mehrfacher Warnungen mit über 20kn durch Eisfelder dampfen und geht dann eben unter. Mist! Das Eisteil war dann wohl doch größer als erwartet. Niemals vorher ist ein so großes Schiff gebaut worden(abgesehen von der Arche Noah, die noch ein bißchen größer war, aber keinen eigenen Antrieb besaß) Niemand konnte vorher ausgiebig testen, wie diese große Eisendame sich auf See verhält. Schon damals ging es „nur“ darum, immer größer und immer schneller sein zu wollen als die Konkurrenz. Die hieß damals Cunard und hatte die schnelleren Schiffe, die allerdings ohne großen Komfort über den Großen Teich jagten. Aber zurück zur Titanic: Es war eine Verkettung widriger Umstände, gepaart mit organisatorischen und schlicht seemännischen Fehlern, die das Ende dieses noch so jungen Schiffes besiegelten. Es ging los mit den fehlenden Ferngläsern auf dem „Krähennest“, die der Erste Nautische Offizier weggeschlossen hat, und endete mit der Mißachtung einer elementaren seemännischen Regel, daß man einer Gefahr auf See niemals die Breitseite des Schiffes zuwendet. Heißt: wenn ein Ausweichen nicht mehr möglich ist, besser frontal draufhalten und die Maschine sofort auf „äußerste Kraft zurück“ stellen. Das hätte den Untergang zumindest erheblich verzögert, wenn nicht gar verhindert. Die Titanic war ein PilotProjekt für den Bau und die Entwicklung so großer Schiffe und viele kleinere Fehler in der Konstruktion konnten ja erst im längeren Dienst erkannt werden, der ihr ja nun nicht vergönnt war. Zum Beispiel hatte sie eine für ihre Größe erheblich zu kleine Ruderanlage. Auch dadurch scheiterte der Versuch, dem Eisberg auszuweichen. Jüngste Untersuchungen und Forschungen ergaben auch die Verwendung eines recht spröden Materials für die Nieten am Schiffskörper, das während der Kollision der Belastung nicht standhielt. Es drang soviel Wasser in die sechs beschädigten Sektionen ein, daß die Lenzpumpen ein Vollaufen der Sektionen nicht verhindern konnten und das Schiff über den Bug sank. 1500 Menschen sind auf See geblieben, zusammen mit einer ingenieurtechnischen Meisterleistung ihrer Zeit, einem geradezu unbeschreiblichen Luxus, den es nie zuvor auf einem Linienschiff auf der Nordatlantik- Route gab.

Und was haben die Menschen nun aus diesem Unfall gelernt? Zumindest keine Demut vor den Gewalten der Natur, kein Respekt vor dem Schöpfer, keine Behutsamkeit im Umgang mit kompliziertem technischen Gerät und der Mitwelt. Alles ist damals wie heute auf Schneller, Höher, Weiter, auf Gewinnmaximierung um jeden Preis und auf grenzenloses Wachstum ausgerichtet. Wir Menschen werden einfach nicht weise. Es geht immer weiter: Hochhäuser, die bis zu einem Kilometer hoch in den Himmel ragen, Flugzeuge, die an die 600 Menschen transportieren können, Eisenbahnen, die mit halber Schallgeschwindigkeit übers Land jagen. Wir Menschen wollen zum Mars und zur Venus fliegen und machen derweil auf der Erde alles kaputt, was uns hier das Überleben sichern soll. Auf der einen Seite dieser Erde wird mit den Ressourcen geaast, daß uns himmelangst werden sollte und auf der anderen Seite derselben Erde verhungern die Leute. Bei uns in Europa wird von „Katastrophe“ gesprochen, wenn mal für einen halben Tag das Mobilfunknetz ausfällt. Dann stürzen Aktienkurse, virtuelle „Werte“einer glitzernden verlogenen Scheinwelt ins Bodenlose.  Wir alle hängen mittlerweile so von Computern und allen möglichen technischen Helferlein ab, daß wir im Falle eines Falles nichteinmal mehr fliehen können weil wir die elektrisch angetriebene Haustür nicht aufbekommen. Und die alte Mutter Erde? Sie versucht mittlerweile immer heftiger, uns Menschen abzuschütteln. Die Erd- und Seebeben vor etwas über einem Jahr in Japan zeigen uns Menschen, wie fragil dieses menschengemachte Paradies wirklich ist und fordern uns auf, nachzudenken, wie wir in Zukunft leben wollen und können. In dieser derzeitigen Energieverschwendung bestimmt nicht mehr und in dieser auf immer weitergehendes Wachstum getrimmten Gesellschaft geht es auch nicht mehr weiter. Unbegrenztes Wachstum in einer begrenzten Welt – das kann nur in einer wirklichen Katastrophe enden, wie in einem Dampfkessel, unter dem immer mehr Feuer gemacht wird. Jede technische Erfindung hat ihre Restrisiken, derer wir uns immer bewußt sein sollten. Hochmut und menschlicher Größenwahn und Gigantomanie sind gerade jetzt auch noch der Stoff, aus dem Schiffsunglücke, Atomkraftwerkskatastrophen und Flugzeugabstürze gemacht werden. Deshalb sollten wir alle mit der gebotenen Sorgfalt und Umsicht und auch mit Dankbarkeit die uns verfügbaren Dinge nutzen. Gebrauchen statt zu mißbrauchen. Das geht beim fließenden Wasser aus dem Wasserhahn los, geht über das Auto und endet beim Computer, Fernseher oder Telephon.

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6 responses

15 04 2012
freiedenkerin

Und welche Errungenschaft nützt du, um deine Erkenntnisse der Umwelt mitzuteilen? Rauchzeichen? Spiegelsignale? Briefpapier und Tinte? – Nein! Den Computer natürlich! – Und womit gelangst du von A nach B, lieber Wolfgang? Zu Fuß? Mit dem Pferdefuhrwerk? Mit dem Ochsenkarren?…
Jeder von uns, der nicht knallhart und unweigerlich dazu bereit ist, komplett auszusteigen, hängt doch in diesem Gigantismus unweigerlich mit drin…
Und die Erde tut nichts dergleichen, uns abzuschütteln. Betrachtet man ihre nunmehr über drei Milliarden währende Geschichte, kann man erkennen, dass es da immer wieder Zyklen gegeben hat, in welchen sie äußerst lebensfeindlich gewesen ist, und andere, in denen Leben der vielfältigsten Art gedeihen konnte. Nichtsdestotrotz sind wir Menschlein durchaus seit ca. 150 Jahren sehr eifrig damit beschäftigt, uns die Äste abzusägen, auf denen wir so wohlgefällig sitzen…

15 04 2012
Wolfgang aus Greifswald

Ja liebe Margot, wir alle, auch ich nutzen die technischen Wunderwerke des Alltags. Da nehme ich mich keinesfalls aus. Wir alle, Du und ich hängen mit drin, sind systemimmanent, fahren Auto, telephonieren, skypen,
Aber wenn wir auch nicht absolut aussteigen(das verlangt ja auch keiner)
sollten wir uns darüber bewußt sein, in welch unglaublichem Luxus wir leben und auch wo es geht den Verbrauch an Ressourcen zumindest etwas zurückfahren. Das geht schon mit kleinen Schritten. Weniger Fleisch essen, öfter das Fahrrad nutzen für kleinere Strecken, wenn wir nicht grade schweres Zeug transportieren müssen, weitestgehend auf Reisen mit dem Flugzeug verzichten. Niemand verlangt, daß wir in Zukunft in ungeheizten Höhlen wohnen sollen. Aber vielleicht reichen knapp 20° wo wir vielleicht früher 23° „brauchten“
GLGr zu Dir nach Bavaria vom ollen Wolfgang aus dem PommerLand.

15 04 2012
freiedenkerin

Was das Bewusstsein unseres so privilegierten Daseins angeht, und eine möglichst sparsame und kontrollierte Nutzung unserer überaus wertvollen Ressourcen, mein lieber Wolfgang, sind wir uns voll und ganz einig. 😉
Liebe Grüße vom verregneten und saukalten München ins hoffentlich schöne Pommerland!

15 04 2012
synchronuniversum

UPS, hier rechnete ich jetzt mit einem ganz anderen Beitrag…
hast du mich übergerascht.
Deine neue Technik im Studio geht dir aber sehr nahe, wenn du dich da soooooooo lang drüber auslässt. Mein armer Hase!
Dicken Kuss & Tschülp
dein Spatz

17 04 2012
Li Ssi

so is et… gut gebrüllt ;o)

27 04 2012
juwi

„Unbegrenztes Wachstum in einer begrenzten Welt“ – Knapp und treffend zusammengefasst. Und mehr gibt es dazu eigentlich auch nicht zu sagen. Irgendwann als ich noch ein Kind war, ist mir dieser elementare Zusammenhang zwischen immer mehr Wachstum und immer knapper werdenden Resourcen schon bewusst geworden. Aber viele Erwachsene werden das ihr ganzes Leben lang nicht begreifen.

Die „Ja, aber …“’s bekomme ich auch immer wieder zu hören, wenn ich das Thema anschneide. Ich denke, wir müssen nicht auf die Annehmlichkeiten verzichten, die uns die Technik im Alltag bietet. Es kommt einfach nur darauf an, dass wir das, was wir an einer Stelle nehmen, an anderer Stelle wieder zurückggeben. Auf neudeutsch nennt sich das „Recyceln“.

Gruß von der Nordsee- an die Ostseeküste,
juwi

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