Die Wiege der Schiffahrt

21 08 2011

2002 wurden in einer Stralsunder Baugrube drei ca. 7000 Jahre alte Einbäume entdeckt, die ältesten Wasserfahrzeuge im Ostseeraum. Die Boote waren aus Lindenholz gefertigt und zwischen 6 und 12 Meter lang. So lange sind sie unter Luftabschluß erhalten geblieben und dann kamen diese ältesten Zeugnisse der Schiffahrt ans Tageslicht – und verrotteten aufgrund unsachgemäßer Bergung und Lagerung beim Landesamt für Bodendenkmalpflege.

Jetzt aber haben Studenten der Greifswalder Universität ein solches Boot originalgetreu nachgebaut: Es ist aus Pappelholz ca. 6m lang und wiegt fast 400kg. Vierhundert Arbeitsstunden waren nötig, um aus dem PappelStamm dieses Boot zu schnitzen.  Es bietet 5 Personen Platz. Vier junge Leute stachen gestern morgen mit diesem Einbaum in SeeSie haben sich auf ein ziemlich gefährliches „Terrain“ gewagt, denn für die Boddengewässer Ost war Starkwind aus West vorhergesagt. Ein THW- Begleitboot war stets in der Nähe, um im Falle des Falles eingreifen zu können. Die Route war für die ungeübten Seefahrerinnen und Seefahrer schon recht anspruchsvoll. Sie führte erstmal die knapp 4km Ryck abwärts bis zum MaJuWi und von dort raus auf den Greifswalder Bodden, am Riems und am Koos vorbei bis nach Stahlbrode, insgesamt etwa 20 km.

Der straffe West und die recht kabbelige See sorgten dann doch für das vorzeitige Ende dieser ProbeFahrt. Der Einbaum nahm Wasser und kenterte wegen der Instabilität durch den Wassereinbruch. Gottlob ist das Wasser im Bodden an der Stelle nur hüfthoch bis knietief, so daß die „Schiffbrüchigen“ ihr Fahrzeug wieder aufrichten und auspützen konnten und ihre Fahrt fortsetzten. Die wackeren Seeleute haben ihre Kondition über- und die Strecke unterschätzt. Das THW- Boot nahm sie an Bord und den Einbaum längsseits und brachte sie sicher an Land. Heute begaben sie sich auf die zweite und letzte Etappe, die zum zukünftigen Heimathafen des Einbaums führte: dem Nautineum auf dem Dänholm, einer kleinen Insel zwischen Rügen und Stralsund. Das Nautineum ist der Teil des Deutschen MeeresMuseums, der sich mit der Schiffahrtsgeschichte und Meeresforschung befaßt.

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5 responses

22 08 2011
Li Ssi

ärgerlich finde ich bodendenkmalpflegerInnen, so lässt man kuturgut vergammeln – grumpf
die studentInnen haben sich wacker geschlagen, aber wieso sie dann doch keine linde genommen haben, verstehe ich nicht wirklich…dann wäre es doch wirklich originalgetreu gewesen!
schönen dank dir und och nen schönen tach

22 08 2011
Wolfgang aus Greifswald

Linde in der Größe hätte denen das Budget gesprengt. Die Pappel hingegen haben sie fast für „ümme“ gekriegt. Liebe Grüße vom ollen grauen Wolf.

22 08 2011
Himmelhoch

Es ist schon erstaunlich, was unsere Altvorderen so an technischen Wunderwerken auf die Beine gestellt haben, die wir kaum nachbauen oder nachnutzen können.
Lieben Gruß von mir sagt Clara

22 08 2011
Träumerle Kerstin

Das ist ja ein tolles Experiment. Muss ich gleich mal Sohnemann als „Holzwurm“ zeigen.
Ja, einfach hatten es die Leute damals schon nicht. Schön, dass sich junge Leute heut dafür interessieren.
Liebe Grüße von Kerstin aus dem abermals 31 Grad warmen Königsbrück.

23 08 2011
dein Spatz

Greifswald braucht mehr davon. Da könnten sich unsere Studis eine feine kleine Geschäftsidee draus stricken, zur Mitfinanzierung ihrer StudiGebühren 😉
Und danke für die Hintergrundinformationen mein Herz, die dankenswerter Weise in der verbalen Form ausführlicher bei mir ankamen, als sie hier nachzulesen sind – leider.
Tschülp, dein Spatz

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