Im Schatten des Mauerfalls

9 11 2009

sei hier nochmal an einen anderen 9. November in Deutschland erinnert. Als an jenem Tag des Jahres 1938 in ganz Deutschland und in Österreich Synagogen brannten, Geschäfte und Wohnungen geplündert, verwüstet wurden, deren Inhaber wüstesten Beschimpfungen, Demütigungen und Mißhandlungen ausgesetzt waren, schaute ein Großteil der Leute erstarrt, entsetzt, teilweise sogar befürwortend zu. ShoahWas wir jetzt in Deutschland bei allem Besinnen und bei allen offiziellen JubelFeiern zum 20. Jahrestag des Mauerfalls immer präsent halten sollten: Verhindern wir mit allen zu Gebote stehenden Kräften, daß jemals wieder solch Ungeist in diesem, unserem Lande raumgreift!

Vielleicht denkt auch heute abend jemand an dieses finstere Kapitel.

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17 responses

9 11 2009
bigi

Ich denke, das ein Großteil der Menschen heute eher besinnlicher und nachdenklicher Stimmung ist. Da die Presse den Mauerfall ja schon seit Wochen in allen Farben, Facetten und Lautstärken präsentiert – wird die Euphorie sicher auch bei vielen Menschen einfach „übersäuert“ sein.
Wie gesagt, ein kontroverser Monat für die GefühlsWelt – Wut, Freude, Trauer, Euphorie, Dankbarkeit – alles vereint im Grau
Gedenkende Grüße
bigi

9 11 2009
Frau Momo

Die Collage ist klasse. Hier hat es gestern Aktionen gegeben, aber für meinen Geschmack überschattet der Mauerfall viel zu sehr die Ereignisse 1938. Das Gedenken aufrecht zu halten, finde ich sooo wichtig, aber man wird ja das Gefühl nicht los, das es gerne zugunsten der Jubelfeiern verdrängt wird. Wobei ich auch zum 9.11.89 ein kritisches Verhältnis habe, bzw. zu dem, was daraus geworden ist.
So viel zu Jubeln gibt es da nicht, finde ich.

9 11 2009
bigi

Also mal ganz „plump“ – ich persönlich bin heute sehr glücklich über den MauerFall – Schon weil ich neben vielen anderen wertvollen Menschen, auch den Autor dieses Blogs nie kennen- und lieben gelernt hätte.
Aber ich stimme dir ansonsten unumwunden zu Frau Momo – diese Medaille hat meines Erachtens, wie alle, 2 Seiten – und keine der beiden Seiten glänzt.

9 11 2009
Kerstin

20 Jahre sind schon ganz schön lang und es hat sich für uns „Ostler“ so viel verändert. Aber alles ist eben auch nicht gut, manches war bei uns im Osten besser. Das ist aber der Preis. Ich sehe die ganze Sache / den Kult gelassen. Es ist Geschichte und irgendwann ist es nun auch mal gut damit. Ich weiß nicht mal, was ich heut vor 20 Jahren so genau gemacht oder gedacht oder gefühlt habe.

9 11 2009
Bea

Lieber Wolfgang,

gerade von dir hätte ich nicht erwartet, das du die negativen Energien so zum Fokus machst. Ich dachte, du wärst auf einem anderen Bewusstseins-Level. Ziehst du doch gerade mit der ständigen Erinnerung an das „Dunkle“ auch genau das an. Schade….

Ich werde mich jedenfalls weder daran erinnern wollen (denn ich ward noch nicht einmal geboren), noch werde ich diesen Massenhype unterstützen. Energetisch male ich mir lieber heute eine leuchtend schöne warme Sonne und ganz viel Licht.

Ich werde in meinem Bewusstsein sicher nicht den Fokus auf diese Geschichte legen. Außerdem könnte man unter dieses Kapitel endlich mal einen Schlussstrich ziehen. Ich kann und will mich nicht dafür verantwortlich machen lassen
was einst vor vielen Jahren geschehen ist, nur weil ich Deutsche bin. Sicher ist es eine dramatische Geschichte gewesen. Nicht zur Nachahmung geeignet und auch nicht empfehlenswert. Was sollen denn die ewigen Erinnerung bringen?

Schuldgefühle??? Ein mieses Nationalitätsbewußtsein? Ich wähle einen anderen Weg… den des Lichtes und der Liebe…

Kannst du ja mal für dich selber hinterfragen… gerade wenn du wirklich bewusst Reiki machst, sollte dir die Wirkung deines Fokus bewusst sein

Sonnige, wärmende, wohlige, friedliche Grüße … Bea

10 11 2009
Wolfgang aus Greifswald

Guten Morgen liebe Bea,
das mit dem Bewußtsein ist schon richtig, das kann man/frau in gewisser Weise steuern, jedenfalls das Individuelle Bewußtsein. Die Shoah hingegen ist in das Kollektive Bewußtsein der Deutschen so fest eingebrannt, das läßt sich einfach mal nicht auslöschen. Und ein schlauer Mensch hat mal gesagt: „Wer sich seiner Geschichte nicht erinnert, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen“ Ich galub daß das vom tschechischen MinisterPräsi Vaclav Havel kam, irgendwann Anfang der Neunziger Jahre.
Schuldgefühl hab ich persönlich an den Verbrechen nicht, denn ich war wie Du damals noch nichtmal da und auch ich steh auf dem Standpunkt, daß die Deutschen ihr Bild in der Welt schonmal ziemlcih aufbessern konnten, mal abgesehen von ein paar Deppen und ewiggestrigen Trampels – und genau die im Zaume zu halten – datt isset – (und da laufen im PommerLand überdurchschnittlich viele herum) da müssen wir alle wachsam sein, das ist, was ich mit dem Eintrag meine. Wir müssen und sollen auch nicht für allre Zeiten in Sack und Asche gehen – nein wir sind als Deutsche wieder „drin“ und das ist gut so.
Ich danke Dir, liebe Bea für Deine Gedanken und wünsche Dir einen schönen an- und aufregenden Tag.
GLGr aus der regengrauwolkenkaltnovembrigen Stadt am Meer vom Wolfgang

10 11 2009
Frau Momo

Angesichts wachsender rechter Gewalt und der Tatsache, das die brauenen Dumpfbacken bereits wieder in deutschen Parlamenten sitzen, finde ich die Einstellung, man sollte darunter endlich mal einen Schlußstrich ziehen, geradezu fahrlässig.
Es geht nicht um Schuldgefühle, um negative Energien, es geht darum, den braunen Sumpf zu bekämpfen, wo es nur geht. Und Lehren aus der Vergangenheit zu ziehen. Totschweigen ist da nicht hilfreich. Sorry, aber mir geht der Hut hoch, wenn ich dieses esoterisch verklärte lese.. soviel, wie ich für Reiki über habe.
Und sich mit der braunen Vergangenheit auseinanderzusetzen, die Erinnerung wach zu halten, DAS zeugt für mich für einen hohen Bewußtseinslevel.

Wir sind nicht für das Dritte Reich verantwortlich, aber dafür, das die Erinnerung wach gehalten wird und dafür, das sowas nie wieder in Deutschland statt findet.

10 11 2009
Wolfgang aus Greifswald

Du schreibst mir aus der Seele,liebe Frau Momo, das Dritte Reich steht nicht in unserer Verantwortung, wenn aber ein Viertes Reich entstünde – DAS hätten WIR uns dann ans Revers zu heften wegen Ignoranz und Nichtwahrhabenwollens des nach wie vor existenten Braunen Sumpfes.
Den genau zu beobachten und trockenzulegen, das ist und das bleibt unsere Aufgabe, solange wir leben, denn um den Bert Brecht zu zitieren:
„Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch“ Das ist leider 64Jahre nach offizieller Beendigung der unseligen Hitlerei immer noch so.
Danke Dir für Deinen Kommentar + GLGr. aus der novembergraunieseligen Stadt am Meer vom Wolfgang.

10 11 2009
bigi

*…*

Ganz lieben Dank Frau Momo und Wolfgang!

10 11 2009
Kerstin

Oh ich hoffe, ihr denkt jetzt nicht schlecht von mir. Mit dem gelassen sein und „ist gut damit“ meinte ich persönlich den Mauerfall. Nicht die Geschichte an sich. Das Kapitel darf sich auf keinen Fall wiederholen. Aber der ganze Kult und Medienrummel um die 20 Jahre Mauerfall sind mir zu viel. Mal schauen, ob es sich in weiteren 10 Jahren gelegt hat.

10 11 2009
bigi

Damit sich derTammTamm legt, müsste zusammenwachsen, was zusammengehört – und davon sind wir, meines Erachtens, noch mehr als 10 Jahre entfernt Kerstin! Vielleicht gehört es ja auch alles gar nicht so zusammen, wie es „geplant“ wurde.
Was die Geschichte betrifft:
Ich für meinen Teil bin glücklich darüber, dass Wolf auch die ältere Vergangenheit zum Thema macht!
Knussi,
bigi

10 11 2009
Frau Momo

Statt Tamm Tamm sollte man sich über die wirklichen Probleme Gedanken machen und vor allem auch mal die zu Wort kommen lassen, die die sog. Wendeverlierer sind, das sind nicht wenige. Und das ist auch ein Teil der Einheit. Ich finde es großartig, was die Bürger der damaligen DDR da zustande gekriegt haben, eine friedliche Revolution, aber es ist nichts, was sich ein Herr Kohl oder ein Herr Bush ans Revers heften können. Und wenn ich dann sehe, wie die Herren sich feiern lassen… vor allem Kohl mit seinen blühenden Landschaften. Der Herr war zur richtigen Zeit Bundeskanzler, das war´s dann aber auch schon.
Und keiner redet über die westdeutschen Heuschrecken, die damals über´s Land gezogen sind und die verunsicherten „Neu“bürger gewaltig über´s Ohr gehauen haben und regelrecht gebrandschatzt haben.
Ich bin damals in Greifswald als Wessi heftigst angefeindet worden und ich konnte es sogar verstehen, obwohl ich nichts gemacht hatte, außer einen piefigen Job in einer Rechtsanwaltskanzlei zu versehen.

11 11 2009
Wolfgang aus Greifswald

Liebe Frau Momo, ich hüpfe nun schon seit 1992 in dieser, nun „meiner“ Hansestadt herum, anfangs nur zum Arbeiten und seit 2. Oktober 2006 hab ich dann hier „richtig“ Anker geworfen. Und ich finde es total traurig, daß Du hier solche Anfeindungen hattest erleiden müssen, daß Du diese, meine Stadt mit so bösen Erinnerungen wieder verlassen hast. Laß mich Dich einfach mal in den Arm nehmen und Dir sagen, daß nicht alle, die hier wohnen so gestrickt sind.
Für mich gibt es die Teilung Deutschlands nicht mehr, da auch bei mir in der Firma oft Volontäre arbeiten, die aus allen Teilen des Landes kommen. Und die sind uns hier immer willkommen gewesen und für die meisten von ihnen galt der alte Spruch hier: „In Greifswald weint man zweimal: einmal wenn man hier ankommt und das zweite Mal, wenn man wieder geht“ Und mir ist es völlig pummel, wo jemand her ist. Ich sehe den Menschen, den es in meine Gegend verschlagen hat und urteile nur daran, was ich sehe und spüre. Meine LeuchtturmWärterin ist ja auch aus dem „Westen“, aber das war mir doch von vornherein egal, und wir sind uns trotzdem ganz nah, so nah , als wenn sie hier um die Ecke wohnt. Und wenn Du nun diese, meine Stadt in schlechter Erinnerung verlassen mußtest, tut mir das sehr leid. Und vielleicht ergibt sich ja mal die Möglichkeit, das GreifswaldBild zu korrigieren, was mich sehr freuen würde.
LGr aus der schönsten Hansestadt am Ryck vom Wolfgang 😉

11 11 2009
Frau Momo

Das war kein Vorwurf gegen die Menschen in Greifswald.. wie gesagt, ich konnte sie damals ja sogar verstehen.
Und ich hab selber einen Bekannten gehabt, der da erstmal ordentlich Ansprüche angemeldet hat und so zu zwei Häusern gekommen ist, eins in bester Lage am Markt. Inzwischen dürfte er sich da eine goldene Nase verdienen.
Ich würde sehr gerne mal wieder nach Greifswald, denn die Stadt und die Landschaft haben mir sehr gut gefallen. Mit Stralsund konnte ich mich z.B. irgendwie gar nicht anfreunden.
Bis Wismar sind wir ja dieses Jahr schon gekommen und für nächstes Jahr ist eine Rollertour durch Meck-Pomm geplant. Vielleicht schaffen wir es ja bis Greifswald 😉

12 11 2009
bigi

Oh Sysse, ich denke im nächsten Jahr wird es uns 2 sicher auch nach Hamburg wehen 😉 Ich war doch noch nie dort und möchte doch zumindest mal die Hafengegenden erkunden – Und dann kommst du, bzw. wichtig – kommt ihr (mag Herrn Momo doch auch mal drücken) sicher nicht um einen Kaffee drumherum 😀

13 11 2009
Bea

Lieber Wolfgang,

du schreibst: „Die Shoah hingegen ist in das kollektive Bewusstsein der Deutschen so fest eingebrannt, das lässt sich einfach mal nicht auslöschen.“ Hier sprichst du sehr pauschal, wie ich meine aus deiner Sicht. Ich würde das gerne etwas differenzierter betrachten. Sicher gibt es Deutsche denen das eingebrannt ist, weil sie diese ICH-Erfahrungen der Shoah gemacht haben und nur schwer ein anderes Bewusstsein erlangen. Doch es gibt auch schon Generationen die damit überhaupt nichts zu tun hatten. Die Erfahrungen der Shoah nicht persönlich gemacht haben und wenn überhaupt, sich durch/über Erzählungen damit identifizieren. Und genau da ist für mich der Punkt der freien Entscheidung. Ich bin nicht gezwungen mich einem kollektiven Bewusstsein an zuschließen dessen Hintergründe mir nicht gefallen. Ich muss nicht meinen Fokus auf das „Dunkle“ legen, nur weil die Geschichte so war. Nur weil ich meinen Fokus anders ausrichte, heißt es nicht, dass ich nicht weiß was damals passiert ist und welche Folgen das hat (te).
Natürlich kenne ich auch diesen dunklen Fleck in der Geschichte Deutschlands und heiße ihn nicht gut. Doch wenn ich meinen Fokus ständig auf das Drama lege… was unterstütze ich dann? Welchen Nutzen hat es für mich oder das Kollektiv? Ich könnte auch sehr provokant formulieren, was will man den Deutschen politisch seid Jahren immer und immer in Erinnerung rufen. Ich möchte dir ein anderes Beispiel geben, damit du verstehst worum es mir geht.

Wenn ein Gewaltopfer ständig aufgefordert wird, sich an das Geschehene zu erinnern, nennt man das Retraumatisierung. Wie würde man es wohl nennen, wenn sich eine Gesellschaft ständig damit beschäftigt?

Welchen Sinn hat es überhaupt, menschlich, wirtschaftlich, politisch? Welchem Sinn/Ziel folgt das Kollektive Handeln, wenn du deinen letzten Satz des Beitrags noch einmal durchdenkst.

„Vielleicht denkt auch heute Abend jemand an dieses finstere Kapitel.“

Für mich macht es keinen Sinn an das Schreckliche zu denken. Sinn macht nur Lösungsorientiert zu denken für mich und damit habe ich den Fokus nicht auf das „Dunkle“, sondern auf das Licht, wen ich das mal so bildhaft vergleiche.

Wenn wir als Gesellschaft unser kollektives Bewusstsein entwickeln und nutzen lernen, dann könnten wir eine Reihe wichtiger zwischenmenschlicher, organisatorischer und sozialer Vorteile schaffen. Verstärkung des Mitgefühls, des Verständnisses und der gegenseitigen Achtung bis hin zu verbesserter Gesundheit, gegenseitiger Unterstützung und schöpferischen Zusammenarbeit. Das alles macht für mich Sinn. Mich an das „Schreckliche“ immer bewusst zu erinnern, lenkt meine Energie für mich in die falsche Richtung und darum habe ich auf deinen letzten Satz reflektiert.

Welche Frage sicher auch sehr interessant wäre, welche Konsequenzen dieser Fokus schon seid Jahren politisch und wirtschaftlich für Deutschland weltweit zur Folge hat. Meinst du nicht, wir könnten in vielen Ländern, wenn wir genau schauen unzählige Menschenunwürdige Beispiele finden. Auch unser „großer Bruder“ hat soviel „Dunkle“ Geschichten… nur wagt es keiner…

Herzlichst Bea

13 11 2009
Bea

@ Frau Momo

Liebe Frau Momo,

ich habe den Eindruck, dass sie mich missverstanden haben. Auch ich bin dafür, dass dem Rechtsradikalismus der Nährboden entzogen werden sollte. Der Schlussstrich bezog sich darauf, dass ich keinen Sinn darin sehe, mich ständig an die wohl übelste Geschichte Deutschlands zu erinnern und anlässlich des Jahrestages daran expliziert zu erinnern, damit sie sie auch ja nicht aus meinem Bewusstsein weicht. Würde es ihnen gefallen, wenn ständig jemand ihren Fehler den sie vor Jahren gemacht haben, ihnen pünktlich zum Jahrestag wieder erzählt?

Wenn auch ein sehr einfacher Vergleich, so birgt er doch den Weg der Lösung, um die es mir geht.Für mich geht es nicht um das Schuldprinzip, sondern um das Lösungs-Prinzip.

Was Wolfgangs Weg des Reiki anbelangt, so liegt darin ja SEINE Überzeugung, warum er diesen Weg wählt. Und unter dem Gedankengang was Reiki und die Lenkung der Energie ist, im Zusammenhang mit seinem Beitrag, haben sich für mich einfach ein paar Fragen aufgetan. Ich hätte ganz simpel einen anderen letzten Schlusssatz erwartet in seinem Bewusstsein.

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